Szombathely                Ungarn

Szombathely liegt am Fuße der Alpen, am Westrand von Pannonien. Die Stadt wurde 43.n.Chr. vom römischen Kaiser Claudius gegründet, unter dem Namen Colonia Claudia Savaria. Die Stadt entwickelte sich schnell neben der Bernsteinstraße, die eine wichtige Handelsroute war, und sie wurde bald zum wichtigsten Zentrum Ober-Pannonien's und des Kaiserkults der Provinz.

Die Stadt verfügt über außerordentlich reiche historische und kulturelle Traditionen und wird heute durch den rasch entwickelnden Fremdenverkehr und durch die vielfältigen in der Stadt organisierten Festivals 
(Savaria Tanzmeisterschaften, Internationales Bartók Festival, Blasorchestertreffen, Savaria Karneval * ) sowie durch internationale Messen charakterisiert.

Szombathely ist eine der Städte des Landes, die als kulturelle Zentren betrachtet werden. Wegen der geographischen Lage, wegen der Grenznähe, sowie wegen des Habitus der hier lebenden Menschen stand sie schon immer für Offenheit, Empfänglichkeit für das Neue und Fortschrittlichkeit. Daneben waren die Bürger der von Kaiser Claudius gegründeten Händlerstadt immer stolz auf ihre Vergangenheit. Sie bewahren ihre Traditionen mit einem starken Lokalpatriotismus, hierzu gehört der alljährliche Savaria Karneval *):

Die Bürger und die Gäste der Stadt, die Erben von 20 Jahrhunderten bereiten sich in diesem Jahr auch auf den Savaria Karneval vor, der vom 19 bis 22 August dauern wird. Die für Ost-Mitteleuropa einzigartige Veranstaltung findet in der historischen Innenstadt von Szombathely, in antik- mittelalterlichem Ambiente statt.



Szombathely ist ein bekannter Bahnknotenpunkt und in Szombathely verkehrt einst eine Strassenbahn
Szombathely
ist ein beliebtes Ausflugsziel für Eisenbahnfreunde

Eisenbahnknotenpunkt


einst und heute
 


Der erste Bannenträger der Entwicklung der Stadt war die Eisenbahn. Viele berühmte Männer bemühten sich darum, dass die Gleise Szombathely nicht umgehen: Boldizsár Horváth und Kálmán Széll als Minister, Ernõ Hollán als Eisenbahnbauer halfen bei der strategischen Planung der Stadt. Bei der Absteckung der Spurlinie diktierten eher wirtschaftliche Interessen - und Szombathely bekam "grünes Licht":
1863-64 wurde die Wiener-Neustadt-Sopron-Nagykanizsa -Linie ausgebaut, und im Bahnhof in Szombathely fuhr bald der erste beflaggte Zug an. Von da an begann die Stadt, sich mit einem amerikanischen Tempo zu entwickeln - berichten die alten Chroniken. 1871 wurde die Gyõr-Graz-Linie übergeben, und Szombathely wurde in einem knappen Jahrzehnt zum Eisenbahnknotenpunkt. Anfang des 20. Jahrhunderts laufen die Linien von hier schon in 9 Richtungen aus, täglich kommen 84 Züge an und fahren weiter von dem Szombathelyer Bahnhof.
Der heutige Bahnhof Szombathelys ist mit dem 20. Jahrhundert gleichen Alters: er dient dem Szombathelyer Reisepublikum seit 1900. Das monumentale Gebäude wurde nach den Bauplänen von Gusztáv Posel errichtet, nach dem Vorbild der damals modischen Großstadtbahnhöfen sezessionistisch-eklektischen Stils.
Mit der Erscheinung der Eisenbahn und dem Aufschwung des Handels nahm die industrielle Entwicklung der Stadt ihren Anfang.
Mehrere bekannte Fabriken siedelten sich in der Stadt an: die Pohl Maschinenfabrik, die Ungarische Motoren- und Maschinenfabrik, die MÁV-Werkstatt und die Szombathelyer Lederfabrik.


Straßenbahn



Nach dem stadtbauenden- und schaffenden Gyula Éhen benannte die Stadt schon in seinem Leben einen Platz. Am 14. November 1895 wurde er zum Bürgermeister gewählt, und obwohl er erst sechs Jahre der erste Mann der Stadt war, veränderten diese sechs Jahre das Antlitz der Stadt von Grund auf. Éhen wollte aus Szombathely theoretisch und praktisch eine "Moderne Stadt" machen: durch Kanalisation, Allgemeinbeleuchtung, Parkanlagen, asphaltierten Straßen und Straßenbahn. Während seiner Amtsperiode als Bürgermeister startete die erste provinzielle elektrische Bahn der Monarchie in Szombathely, die am Gyula-Éhen-Platz vor dem Bahnhof abfuhr.
Die Szombathelyer Straßenbahn wurde von der im Jahre 1895 gegründeten Elektrizitätswerk AG von Komitat Vas gestartet. Der zu ihrem Betrieb nötige Strom kam von dem Ikervárer Wasserkraftwerk, den Start des ersten Zuges signalisierte die Klingel im September 1897. Die Szombathelyer haben die grünen Holzbauwagen bald lieb gewonnen, wie später auch die gelben Züge.
Die Straßenbahn war billig und langsam, weil sie auf der knappen, 3 km langen Strecke Dutzende von Haltestellen hatte. Wenn auch nicht mehr mit der echten Straßenbahn, aber mit der virtuellen kann man wieder die Stadt zum Jahrhundertsbeginn durchbummeln, und wenn man zum Fenster hinaussieht, ist fast an jeder Haltestelle was zu sehen. Steigt man nicht in die Straßenbahn ein, dann soll man sich zu einer Trafik begeben und einige von den örtlichen Ansichtskarten kaufen.



Geschichte der Stadt


Bombardierung

Sonntag, der 4. März 1945. Vielleicht der traurigste Tag der Chronik der Stadt. Die englischen Bomber griffen in vier Wellen den Bahnhof, den Flughafen an, aber sie bombardierten die ganze Stadt. Ungefähr 300 Leute kamen an dem Tag ums Leben, 70 % der Gebäude der Stadt erlitten Schäden, 312 Häuser wurden vernichtet, 1200 wurden unbewohnbar.
Am Ende des Krieges hatte nur noch jede fünfte Szombathelyer Familie eine Wohnung, die nach den Luftangriffen übriggebliebenen Güter nahm die sowjetische Armee zu sich.

Wiederaufbau
An der Ende März begonnenen Enttrümmerung nahmen auch Zivile teil, der eine freiwillig, der andere aus Zwang. Anfang April entstand die provisorische Polizei und wurde das Typhuskrankenhaus eröffnet. Innerhalb von einigen Wochen gab es wieder Trinkwasser und Strom, der Eisenbahnverkehr und der Postdienst wurden in Gang gesetzt. Der Wiederaufbau begann auch im Bereich der Politik. Die Betriebe wurden verstaatlicht, die Dörfer um die Stadt herum wurden an Szombathely angeschlossen, die Toren "der einstigen Königin der westlichen Randgebiete" wurden durch die nahe Grenzzone zugesperrt.


 

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